Handballnews

Alle aktuellen Nachrichten aus DKB Handball-Bundesliga. News, Ergebnisse und Tabellen aus der besten Handball-Liga der Welt.
  1. In Kroatien läuft seit dem 12. Januar die Handball-EM 2018. (Täglich im LIVETICKER auf SPORT1)

    Für Deutschland geht es auf dem Balkan um die Mission Titelverteidigung. Das Ziel: das Finale am 28. Januar in Zagreb.

    Die Vorrunde hat das DHB-Team als Tabellenzweiter überstanden. Nach zwei dramatischen Unentschieden gegen Slowenien (25:25) und Mazedonien (25:25) nahmen die deutschen Handballer zwei Punkte mit in die Hauptrunde.

    Dahmke soll Angriff besser machen

    Dort zitterten sich die Bad Boys im ersten Spiel dank einer Energieleistung zum wichtigen Sieg über Tschechien und wahrten die Chance aufs Halbfinale. Am Sonntag geht es im zweiten Hauptgruppenspiel gegen Olympiasieger Dänemark (ab 18.15 Uhr im Liveticker).

    Neu im deutschen Team: der von Trainer Christian Prokop nachnominierte Linksaußen Rune Dahmke - der Kieler EM-Held von 2016 soll Uwe Gensheimer entlasten und die zuletzt eklatanten Schwächen im Abschluss beheben.

    "Ich versuche meinen Teil dazu beizutragen, dass wir noch weiterkommen", sagte Dahmke nach seiner Ankunft am Samstag. Gensheimer sei "ganz klar die Nummer eins. Ich versuche, dass ich ihm helfen kann, wenn er Hilfe braucht."

    Nicht nur Deutschland, auch die anderen Teams in der Hauptrundengruppe 1, haben nicht konstant überzeugt. Darin liegt die Chance für Deutschland. Wenn die Fehler aus den ersten Spielen analysiert und abgestellt werden haben die DHB-Jungs eine gute Chance ins Halbfinale einzuziehen.

    Die Dänen kassierten in der Vorrunde gegen Tschechien zum Beispiel eine unerwartete Niederlage, gewannen ihr Spiel zum Hauptrunden-Auftakt jedoch ebenfalls und übernahmen die Tabellenführung vor den punktgleichen Deutschen.

    Dänemark gegen Deutschland in Favoritenrolle

    Dänemark gehört mit Frankreich und Kroatien zu den Top-Favoriten des Turniers. Nach Platz sechs bei der letzten EM und der WM-Enttäuschung mit Platz zehn im vergangenen Jahr ist das Halbfinale Pflicht für den Olympiasieger. Das handballverrückte Land sehnt sich nach dem dritten EM-Titel nach 2008 und 2012.

    "Die Erwartungen sind immer groß", sagte Trainer Nikolaj Jacobsen. Jacobsen ist neben Superstar Mikkel Hansen das prominenteste Gesicht bei den mit etlichen Bundesliga-Spielern gespickten Dänen. Der charismatische Coach, der nach der schwachen WM vor einem Jahr Gudmundur Gudmundsson beerbte, weiß, wie Erfolg geht.

    Mit den Rhein-Neckar Löwen verschob der frühere Weltklasse-Linksaußen in den vergangenen Jahren die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga. Unter Jacobsen wurden die Mannheimer zuletzt zwei Mal Meister und führen auch jetzt wieder die Tabelle an. Genau das versprechen sich die Dänen auch in der Nationalmannschaft vom ehemaligen Spieler des THW Kiel.

    In der Hauptrunde qualifizieren sich nur die beiden besten Teams der Gruppe für das Halbfinale. Sollten zwei Mannschaften nach der Hauptrunde die gleiche Punktzahl aufweisen entscheidet der direkte Vergleich.

    Hier sehen Sie die aktuelle Tabelle der Handball-EM 2018

    Der Spielplan der EM-Hauptrunde im Überblick:

    Gruppe I in Zagreb

    Donnerstag, 18. Januar

    Serbien - Norwegen27:32
    Kroatien - Weißrussland 25:23

    Samstag, 20. Januar

    Schweden - Frankreich 17:23
    Kroatien - Norwegen 32:28

    Montag, 22. Januar

    Serbien - Frankreich (18.15)
    Schweden - Weißrussland (20.30)

    Mittwoch, 24. Januar

    Serbien - Weißrussland (16.00)
    Schweden - Norwegen (18.15)
    Kroatien - Frankreich (20.30)

    Gruppe II in Varazdin

    Freitag, 19. Januar

    Deutschland - Tschechien 22:19
    Slowenien - Dänemark 28:31

    Sonntag, 21. Januar

    Deutschland - Dänemark ab 18.15 Uhr im Liveticker
    Mazedonien - Spanien (20.30)

    Dienstag, 23. Januar

    Slowenien - Spanien (18.15)
    Mazedonien - Tschechien (20.30)

    Mittwoch, 24. Januar

    Slowenien - Tschechien (16.00) 
    Mazedonien - Dänemark  (18.15)
    Deutschland - Spanien (20.30)

    Hier direkt zum EM-Spielplan

    Wo kann man die Handball-EM LIVE im TV sehen?

    ARD und ZDF übertragen alle Spiele der deutschen Mannschaft. Die restlichen Partien werden von Sportdeutschland.tv im Livestream übertragen. SPORT1 begleitet das komplette Turnier im LIVETICKER. Die Highlights der deutschen Spiele gibt es auf SPORT1.de jeweils in einer Video-Zusammenfassung.

  2. Weltmeister Frankreich marschiert bei der Handball-EM in Kroatien mit großen Schritten in Richtung Halbfinale, auf dem Weg dorthin befindet sich auch Gastgeber Kroatien.

    Turnierfavorit Frankreich besiegte Rekord-Europameister Schweden in einer Abwehrschlacht mit 23:17 (10:8) und setzte sich mit 6:0 Punkten an die Spitze der Hauptrundengruppe 1. Frankreich ist das einzige noch verlustpunktfreie Team bei der EM.

    Kroatien in Form, Norwegen vor Aus

    Auf Platz zwei folgen mit 6:2 Zählern die Kroaten, die ohne ihren weiter an der Wade verletzten Kieler Spielmacher und Kapitän Dumagoj Duvnjak Vizeweltmeister Norwegen mit 32:28 (17:15) bezwangen.

    Manuel Strlek (6 Tore) und Luka Cindric (5) waren in Zagreb die erfolgreichsten Schützen beim Sieger. Bester Werfer der Partie aber wurde der Norweger Sander Sagosen mit acht Treffern.

    Den Skandinaviern droht nach der zweiten Niederlage das Aus in der Hauptrunde.

    Gerard überragt für Frankreich

    Bester Torschütze in der Mannschaft des französischen Trainergespanns Didier Dinart und Guillaume Gille war Cedric Sorhaindo mit fünf Treffern. Superstar Nikola Karabatic traf zweimal.

    Herausragend beim Sieger war Torhüter Vincent Gerard, der 19 der 36 Würfe auf sein Gehäuse parierte und damit auf eine Quote von 53 Prozent kam. Bei den Schweden, die mit 4:2 Zählern weiterhin Chancen auf die Medaillenspiele haben, war Simon Jeppson viermal erfolgreich.

  3. Weitere Verstärkung für die deutschen Handballer: Bundestrainer Christian Prokop hat für die weiteren Spiele der Handball-EM in Kroatien Rune Dahmke nachnominiert.

    Der Linksaußen vom THW Kiel ersetzt Maximilian Janke (SC DHfK Leipzig) und wird schon im zweiten Hauptrundenspiel gegen Olympiasieger Dänemark am Sonntag (18.15 Uhr im LIVETICKER) eingesetzt. Dahmke, mit dem die DHB-Auswahl vor zwei Jahren in Polen sensationell den EM-Titel geholt hatte, war von Prokop zunächst nicht berücksichtigt worden.

    Dahmke hat bislang 32 Länderspiele bestritten und dabei 64 Tore erzielt. Der 24-Jährige ist nach Abwehrchef Finn Lemke, der am Dienstag nachnominiert worden war, der zweite Nachrücker.

    Pikant: Es ist das zweite Mal, dass Prokop eine umstrittene Kader-Entscheidung korrigiert: Vor dem Turnier setzte er auf seine ehemaligen Leipziger Schützlinge Janke und Bastian Roschek statt auf Dahmke und Lemke und handelte sich damit viel Kritik ein. Nun sind die beiden Europameister-Helden drin, die beiden Leipziger wieder draußen.

    Dahmke soll Gensheimer entlasten

    "Ich versuche meinen Teil dazu beizutragen, dass wir noch weiterkommen", sagte Dahmke nach seiner Ankunft am Samstag. Gensheimer sei "ganz klar die Nummer eins. Ich versuche, dass ich ihm helfen kann, wenn er Hilfe braucht."

    "Rune wird Uwe Gensheimer entlasten. Ich möchte auf der Linksaußen-Position ein starkes Duo haben", sagte Prokop auf einer Pressekonferenz im deutschen Teamhotel in Sveti Martin: "Rune ist ein unheimlich positiver und sympathischer Spieler, der viel Energie in die Mannschaft bringt. Er kommt mit viel Selbstbewusstsein. Das ist für Sonntag sehr wichtig."

    Umso wichtiger, wenn man bedenkt, dass die bisherigen Turniervorstellungen durchwachsen waren.

    Dass Kapitän Uwe Gensheimer und Co. überhaupt noch im Rennen sind, ist einem starken Schlussspurt und den Weltklasse-Leistungen ihrer beiden Keeper Andreas Wolff und Heinevetter am Freitag gegen Tschechien (22:19) zu verdanken. "Ich hoffe, dass das der Dosenöffner zur Leichtigkeit ist", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning: "Jetzt sind wir zwei Mal in der Außenseiterrolle. Vielleicht löst sich das jetzt." 

    Auch Gensheimer mit Nervenflattern

    Vor allem das Angriffsspiel ist eine Baustelle: 14 einfache Ballverluste und technische Fehler sowie 19 Fehlwürfe standen gegen Tschechien am Ende in der Statistik. Auch und gerade Gensheimer flatterten trotz aller Routine die Nerven.

    Von Dahmke erhoffen sich Prokop und Dahmke in erster Linie mehr Gefahr im Schnellangriff. "Wenn du Dänemark schlagen willst, brauchst du acht bis zehn Tore aus dem Gegenstoß", sagte Hanning. Zum Vergleich: Gegen Tschechien waren es zwei. 

    Prokop hat in der Hauptrunde noch eine weitere Wechselmöglichkeit. Nach den Spielen gegen Tschechien (22:19) und Dänemark ist Ex-Weltmeister Spanien am Mittwoch (20.30 Uhr) dritter Hauptrundengegner der deutschen Mannschaft.

    Mit 4:2-Punkten liegt das deutsche Team gleichauf mit Dänemark an der Spitze der Hauptrundengruppe 2, das Halbfinale ist für den Titelverteidiger absolut in Reichweite. Egal, wie die Partie gegen Dänemark ausgeht, es läuft wohl alles auf einen Showdown gegen die Spanier hinaus.

  4. Weil gleich drei Spielerinnen gedopt waren, droht Russland die Aberkennung des Vize-EM-Titels der U19-Handballerinnen. Der europäische Handball-Verband EHF gab bekannt, dass die Spielerinnen Antonina Skorobogatschenko, Maria Duwakina und Maria Dudina im Juli vergangenen Jahres beim Turnier in Slowenien mit dem seit Anfang 2016 verbotenen Herzmedikament Meldonium erwischt worden waren. Die drei Spielerinnen wurden rückwirkend von September 2017 an für 20 Monate gesperrt.

    Da die EHF-Regeln vorsehen, dass eine Teamstrafe zu erfolgen hat, wenn mehr als zwei Mitglieder einer Mannschaft des Dopings überführt werden, ist eine Aberkennung der Silbermedaille wahrscheinlich. Eine Entscheidung darüber soll laut EHF in "den kommenden Monaten" fallen. Russland hatte im Finale gegen Frankreich verloren. 

  5. Olympiasieger Dänemark hat bei der Handball-EM in Kroatien Kurs auf das Halbfinale genommen.

    Der zweimalige Europameister besiegte in der deutschen Hauptrundengruppe in Varazdin den WM-Dritten Slowenien mit 31:28 (16:14) und übernahm mit vier Punkten die Tabellenführung.

    Bester Werfer der Dänen war der überragende Flensburger Rechtsaußen Lasse Svan mit elf Toren. Bei den Slowenen (ein Punkt) erzielte Miha Zarabec vom deutschen Rekordmeister THW Kiel sechs Treffer.

    Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) hatte zum Auftakt der Hauptrunde einen 22:19 (9:10)-Arbeitssieg gegen Tschechien (zwei Punkte) und hat ebenso wie Dänemark vier Zähler auf dem Konto. Am Sonntag (18.15 Uhr im LIVETICKER) kommt es zum Duell zwischen Dänemark und Deutschland.

  6. Nationaltorhüter Silvio Heinevetter hat sich mit emotionalen Worten gegen die Kritik an den deutschen Handballern in den vergangenen Tagen positioniert.

    "Mir geht das tierisch auf den Zeiger. Von wegen wir entscheiden alles alleine und lassen den Trainer außen vor. So ein Schwachsinn", sagte Heinevetter dem SID nach dem 22:19 (9:10) der deutschen Mannschaft zum EM-Hauptrundenauftakt gegen Tschechien.

    "Wir sind hier nicht als Einzelspieler hergereist sondern als Mannschaft. Und da gehört der Trainer genauso mit dazu", so der Keeper von den Füchsen Berlin weiter: "So einen Mist will ich nicht mehr hören. Lasst uns mal wieder als Einheit zusammenstehen."

    Zuvor hatte sich Abwehrchef Hendrik Pekeler im Vorrunden-Drama gegen Slowenien bewusst über die Vorgaben des Trainers hinweggesetzt.

    "Ich habe mit Bam-Bam (Patrick Wiencek, Anm. d. Red) abgesprochen, dass wir kompakt bleiben. Das wollte Christian anders haben in der ersten Halbzeit", wird Pekeler vom Spiegel zitiert: "Ich glaube, das hat uns den Erfolg gebracht."

    Heinevetter war mit 41 Prozent gehaltener Bälle überragender Akteur im Team von Bundestrainer Christian Prokop beim mühevollen Erfolg gegen die Tschechen.

  7. Der bärenstarke Silvio Heinevetter brüllte seine Freude heraus, der treffsichere Steffen Fäth nahm mit einem Lächeln die Auszeichnung zum Spieler des Spiels entgegen.

    Nach dem mühevollen 22:19 (9:10)-Pflichtsieg zum EM-Hauptrundenstart gegen Außenseiter Tschechien machten sich bei den lange Zeit verunsicherten deutschen Handballern Erleichterung und Freude breit.

    DHB-Team "beißt sich rein"

    "Das war ein absoluter Kampf heute. Zum Glück hat es am Ende gereicht. Wir stehen natürlich unter Druck, weil wir jedes Spiel gewinnen müssen. Das wichtigste ist, dass wir uns reingebissen haben", sagte der Berliner Fäth, der mit acht Treffern überzeugte, im ZDF. Neben Fäth war das überragende Torhüter-Duo Heinevetter/Andreas Wolff ausschlaggebend für den Erfolg.

    Die DHB-Auswahl wahrte durch den Sieg ihre Halbfinalchance. Nächster Gegner der Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop ist am Sonntag Olympiasieger Dänemark. Zum Abschluss der Hauptrunde geht es am Mittwochgegen Vize-Europameister Spanien. Eine Leistungssteigerung des Titelverteidigers ist dabei zwingend erforderlich.

    Fleisch-Orgie nach Energieleistung

    "Es ist eine gewisse Verunsicherung zu spüren. Es ist aber Steigerungspotenzial da", sagte Kapitän Uwe Gensheimer. "Wir verwerfen in der Anfangsphase zu viel und können uns nicht absetzen, deswegen bekommen wir keine Sicherheit rein. Das Nervenkostüm hat geflattert. Wir können besser spielen und besser werfen", erklärte der Bundestrainer nach der Partie im ZDF.

    "Es war eine riesige Charakterleistung. Wir haben sehr nervös begonnen und noch viel Potenzial nach oben, aber wir haben durchgehalten und immer an uns geglaubt. Tschechien hat Dänemark geschlagen, so ein Team haut man nicht einfach weg. Die Energieleistung heute war eine glatte Eins", lobte DHB-Vizepräsident Bob Hanning:

    "Zur Belohnung habe ich für alle reservieren lassen, die Jungs sollen heute so viel ungesundes Fleisch wie möglich essen und auch das ein oder andere Bier trinken."

    Prokop rotiert, aber Offensive weiter schwach

    "Wir müssen jetzt liefern, ohne Diskussion", hatte Hanning nach den Enttäuschungen gegen Slowenien und Mazedonien erklärt. Prokop wirbelte sein Team dafür gehörig durcheinander. Heinevetter begann erstmals im Tor, im Rückraum durften Fäth, Paul Drux und Kai Häfner ran.

    Doch mit Ausnahme von Fäth ließ das deutsche Offensivspiel wieder viele Wünsche offen. Fehlwürfe, schlechte Anspiele, viel zu wenig Druck - das Angriffsspiel wirkte uninspiriert und verunsichert.

    Bestes Beispiel war der wurfgewaltige Julius Kühn. Nach 14 Minuten schickte Prokop ihn aufs Feld, nach zwei Fehlwürfen und einem schwachen Zuspiel musste der Melsunger zurück auf die Bank.

    Die Folge der schwachen Offensivleistung war nach einer 7:5-Führung (15.) ein 8:10-Rückstand (26.).

    Heinevetter und Abwehr halten DHB-Team im Spiel

    Einzig der gute Heinevetter und die insgesamt ordentliche Abwehrleistung hielten die DHB-Auswahl gegen einen Gegner mit begrenzten Möglichkeiten im Spiel. "Man kann Fehler machen. Aber wir müssen mehr investieren, um unsere Fehler auch auszumerzen", sagte Prokop in seiner ersten Auszeit.

    Die mit neun Europameistern gespickten Bad Boys wirkten aber gehemmt. Dem Spiel des Olympia-Dritten mangelte es an Selbstvertrauen. "Außer Steffen Fäth kommen wir mit viel zu wenig Schwung. Das ist viel zu leicht für die tschechische Abwehr", sagte Kapitän Uwe Gensheimer nach enttäuschenden 30 Minuten gegen einen biederen Gegner im ZDF.

    Auch nach dem Wechsel bot sich das gleiche Bild. Selbst Gensheimer ließ freistehend beste Möglichkeiten ungenutzt. Heinevetter hielt die DHB-Auswahl mit seinen Paraden aber im Spiel.

    Zudem zeigten auch die Tschechen, die in der Vorrunde überraschend Dänemark bezwungen hatten, im Angriff große Schwächen. So brachte Kreisläufer Patrick Wiencek sein Team nach langer Zeit beim 15:14 (42.) mal wieder in Führung.

    Wolff rettet Bad Boys den Sieg

    Doch auch diese brachte keine Sicherheit ins Spiel des Titelverteidigers. Im Angriff wurden reihenweise beste Chancen ausgelassen. Nach dem 16:18 (48.) brachte Prokop Andreas Wolff für Heinevetter (zwölf Paraden) und schwor sein Team auf die Schlussphase ein: "Wir müssen jetzt richtig draufgehen. Wir sind eine deutsche Mannschaft und besser als die."

    Das zeigte das DHB-Team aber erst in der Schlussphase, da Wolff ebenso glänzend hielt wie sein Vorgänger und in den letzten zwölf Minuten nur noch ein Gegentor zuließ. Steffen Weinhold traf zum 21:18 (58.) und sorgte damit für die Vorentscheidung. Prokop ballte an der Seitenlinie die Fäuste - aus Freude und Erleichterung.

    Im Stenogramm:

    Deutschland - Tschechien 22:19 (9:10)
    Deutschland: Heinevetter (Berlin), Wolff (Kiel) - Fäth (Berlin/8), Gensheimer (Paris/3/1), Kohlbacher (Wetzlar/2), Weber (Leipzig/2), Drux (Berlin/2), Häfner (Hannover/1), Wiencek (Kiel/1), Groetzki (Rhein-Neckar Löwen/1), Pekeler (Rhein-Neckar Löwen/1), Weinhold (Kiel/1), Reichmann (Melsungen), Kühn (Melsungen), Janke (Leipzig), Lemke (Melsungen)
    Tschechien: Mrkva (1), Galia - Cip (6), Kasparek (4), Zdrahala (4/2), Horak (3), Becvar (1), Hrstka, Landa, Kotrc, Stehlik, Petrovsky, Svitak, Mubenzem, Kasal, Zeman
    Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien)
    Zeitstrafen: 3:4
    Siebenmeter: 1/1:3/2
    Zuschauer in Varazdin: 3000

  8. Die Stimmung in der Arena in Zagreb kocht, Gastgeber Kroatien droht ein weiterer Rückschlag auf seiner Gold-Mission - da brennen bei Lino Cervar für einen Moment die Sicherungen durch. 30 Sekunden vor dem Ende greift Kroatiens Nationaltrainer direkt ins Spielgeschehen ein, indem er den weißrussischen Rückraumspieler Artur Karvazki vom Spielfeldrand aus am Oberkörper für einen Moment festhält.

    Wenige Augenblicke später bekommt Linkshänder Karvazki den Ball. Statt den Ausgleich zu erzielen, pfeifen die Schiedsrichter aber wegen Zeitspiels ab. Kroatien trifft im Gegenzug zum Endstand. "Ich habe ihn zufällig erwischt. Es war aus Versehen", sagte Cervar zu der Szene, die am Freitag hohe Wellen schlug. Der 67-Jährige beteuerte, es sei "in der Hitze des Gefechts passiert".

    EHF verhängt Geldstrafe

    Die Disziplinarkommission des europäischen Verbandes EHF verurteilte Cervar zu einer Geldstrafe von 3.000 Euro und tadelte das Vergehen als "unangemessen und unsportlich". Dies teilte die EHF am Freitagabend mit. Eine Sperre gibt es nicht, damit wird Cervar beim nächsten Hauptrundenspiel der Kroaten am Samstag gegen Vize-Weltmeister Norwegen dabei sein.

    Auch eine Aussage des schwedischen Nationalspielers Jim Gottfridsson von Bundesligist SG Flensburg-Handewitt hatte Cervar nicht entlastet - im Gegenteil. "Ich bin nicht überrascht. Cervar hat mich im letzten Gruppenspiel auch zweimal am Arm gezogen", sagte Gottfridsson der schwedischen Zeitung Aftonbladet.

    Kroatien wahrte durch den Zittersieg gegen Weißrussland seine Halbfinal-Chancen. Doch nach dem Wirbel um den Videobeweis im deutschen Spiel gegen Slowenien war die unbeherrschte Aktion Cervars bereits der zweite EM-Eklat.

    In der Handball-Szene sorgten die Bilder von Cervars Grenzüberschreitung für einen Sturm der Entrüstung, in den sozialen Netzwerken liefen die TV-Bilder der skurrilen Situation am Freitag rauf und runter. "Neuer Skandal bei der Handball-EM", titelte das kroatische Nachrichtenportal Index.hr.

    Der frühere schwedische Bundesligaspieler Martin Frändesjö polterte im schwedischen Fernsehen: "So etwas habe ich noch nie gesehen, er hat alle Grenzen überschritten." Joachim Boldsen, langjähriger Bundesligaspieler in Flensburg, ging im norwegischen Fernsehen noch einen Schritt weiter: "Es ist völlig verrückt. Er muss jetzt natürlich aus dem Turnier ausgeschlossen werden." Aber es werde "wahrscheinlich nichts passieren. Die EHF ist sehr schlecht, wenn es um einen Heimtrainer geht."

    Kroatien droht Ende des Titel-Traums 

    So oder so droht Kroatien am Samstag das jähe Ende seines Titel-Traums. Mit Vize-Weltmeister Norwegen wartet der Geheimfavorit. Und während die Skandinavier mit viel Selbstvertrauen aus dem lockeren 32:27 zum Hauptrundenauftakt gegen Serbien ins Spiel gehen, war die Leistung Kroatiens gegen Weißrussland ohne ihren verletzten Kapitän Domagoj Duvnjak wie schon zuvor im letzten Vorrundenspiel gegen Schweden (31:35) nicht medaillen-würdig. Das Verhalten von Cervar erst recht nicht.

  9. Gastgeber Kroatien darf weiter vom Triumph bei der Handball-Europameisterschaft im eigenen Land träumen.

    Der frühere Weltmeister und Olympiasieger setzte sich in Zagreb knapp mit 25:23 (15:12) gegen Außenseiter Weißrussland durch und hat in der Hauptrundengruppe 1 nun 4:2-Punkte auf dem Konto.

    Norwegen untermauert Halbfinal-Ambitionen

    Auch Vize-Weltmeister Norwegen startete erfolgreich in die Hauptrunde. Die Skandinavier besiegten Serbien mit 32:27 (17:17) und untermauerten damit ihre Halbfinal-Ambitionen. Norwegen (4:2 Punkte) führt die Tabelle vor Schweden und Kroatien an. Die Franzosen komplettieren die Sechsergruppe, haben wie Schweden allerdings noch ein Spiel weniger absolviert.(Tabellen der Hauptrundengruppen)

    Für die Kroaten, die erneut auf Kapitän Domagoj Duvnjak (Muskelverletzung in der Wade) verzichten mussten, waren Luka Stepancic und Marko Mamic mit je fünf Toren beste Schützen auf dem Feld. Für Weißrussland traf Andrei Jurynok sechsmal.(Ergebnisse/Spielplan der Handball-EM 2018)

    Serbien schon raus

    Beste norwegische Torschützen waren Kristian Björnsen vom Bundesligisten HSG Wetzlar und Sander Sagosen mit jeweils acht Treffern. Für die Serben, die mit nunmehr 0:6-Punkten ebenso keine Chance mehr auf die Halbfinal-Teilnahme haben wie Weißrussland, trafen Zarko Sesum vom Bundesligisten Frisch Auf Göppingen und Bojan Beljanski mit fünf Toren am häufigsten.

    Die jeweils besten zwei Teams der beiden Hauptrundengruppen erreichen die Medaillenspiele. Weltmeister Frankreich und Rekord-Europameister Schweden (beide 4:0) sind spielfrei und treten am Samstag (18.15 Uhr) gegeneinander an.

  10. Liebe Handballfreunde,

    die Vorrunde der EM ist vorbei. Wir haben spannende, intensive Spiele gesehen. In der Halle herrschte eine gigantische Atmosphäre. Die Fans vom Balkan, aber auch unsere Fangemeinde haben für eine außerordentliche Atmosphäre gesorgt. Das schreit nach mehr.

    Die deutsche Mannschaft hat aus den drei Vorrundenpartien einen Sieg und zwei Unentschieden erreicht. Wir haben uns alle etwas mehr versprochen, doch das Halbfinale ist natürlich noch aus eigener Kraft zu erreichen

    Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, alles schlecht zu reden - trotzdem muss man einige Sachen kritisch ansprechen, die aufgefallen sind.

    Nach dem tollen Auftakt gegen Montenegro sind wir bei den beiden folgenden Spielen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Beim Spiel gegen Slowenien machte die Abwehr in der 1. Halbzeit eine unglückliche Figur und agierte teilweise lethargisch, aber zum Teil auch hektisch und nervös.

    Leider konnte Prokop von der Bank her keine Impulse setzen, im Gegenteil. Er hat zu viel gewechselt und konnte daher seinen Spieler nicht die nötige Sicherheit geben.

    Im zweiten Abschnitt setzte er kontinuierlich im Innenblock auf Wiencek und Pekeler, was gut funktionierte. Da ist es auch egal, wenn Pekeler danach sagt, dass Wiencek und er entgegen der Ansage von Prokop, etwas defensiver und kompakter gespielt haben. Es ist nicht unnormal, dass Spieler solche Entscheidungen treffen.

    Die taktische Maßnahme von Prokop mit sieben Feldspielern zu agieren, brachte dann im Angriff den nötigen Erfolg.

    Trotzdem bekommt man den Eindruck, dass sich Mannschaft und Trainer noch nicht aufeinander eingestellt haben. Dies kann man auch bei den Auszeiten sehen, in denen die Mannschaft die Anweisungen danach auf dem Spielfeld nicht realisieren kann bzw. anders gespielt wird.

    Wenn man beide Remis analysiert, haben wir die größten Probleme im Angriff. Klar, ich habe die Abwehrleistung gegen Slowenien schon erwähnt - aber beide Male haben wir nur 25 Tore bekommen, womit man eigentlich gewinnen muss.

    Unser Angriff kam jedoch nicht mit der körperlich aggressiven Deckung der Gegner zurecht. Es fehlte die Durchschlagskraft und das Selbstvertrauen in die eigene Stärke. Eine richtig funktionierende Struktur war auch nicht vorhanden.

    Hier wurde meines Erachtens zu viel gewechselt und mit Kühn ein Spieler geopfert, der es verdient hätte, seine zuletzt geleisteten Leistungen in der Bundesliga, auch bei der EM zu zeigen.

    Die kämpferische Einstellung jedes Spielers ist aber vorbildlich - egal, ob er auf dem Spielfeld steht oder auf der Bank sitzt.

    Trotz dieser Fehleranalyse traue ich dem deutschen Team den Einzug ins Halbfinale zu. Dazu wird aber eine Leistungssteigerung der Mannschaft und des Trainers benötigt.

    Da die anderen Teams der anderen Gruppe ebenfalls nur zwei Punkte mitnehmen, ist die Ausgangslage gar nicht so schlecht.

    Ich denke, wir werden mit einer guten Leistung Tschechien besiegen und uns so die nötige Sicherheit für die entscheidenden Spiele gegen Dänemark und Spanien holen. Den Dänen trau ich dabei - trotz der überraschenden Niederlage gegen Tschechien - mehr zu als den Spaniern.

    Ein Wort noch zur Nachnominierung von Finn Lemke: Viele sagen, dass Prokop schnell reagiert und damit bewiesen hat, dass er einen vermeintlichen Fehler korrigieren kann. Andere fragen sich, wie man nach nur einem schlechten Spiel seine Abwehrphilosophie über den Haufen werfen kann.

    Ich glaube, man hätte sich die ganze Aufregung sparen und Lemke direkt nominieren sollen.

    Das ist nichts gegen Roscheck, der ein tadelloser Abwehrspieler ist und zudem einen klasse Charakter hat. Lemke ist jedoch international erfahren und hat in der Abwehr eine Leaderrolle, was er gegen Mazedonien unter Beweis stellte.

    Viele Grüße aus Kroatien und viel Spaß bei den deutschen Spielen,

    Euer Daniel

    Handball-Experte Daniel Stephan, 44, hat 183 Länderspiele für Deutschland absolviert. Der erste deutsche Welthandballer (1998) wurde mit dem TBV Lemgo 1997 und 2003 Deutscher Meister sowie 1995, 1997 und 2002 DHB-Pokalsieger. Mit der Nationalmannschaft gewann der Rückraumspieler unter anderem 2004 die Europameisterschaft und Silber bei Olympia in Athen. Von 1997 bis 1999 wurde er dreimal in Folge zum Handballer des Jahres gewählt.
    Die EM der Männer begleitet er als TV-Experte für SPORT1.